Die Münsterglocken

Das Münster hat zehn läutbare Glocken und drei weitere Glocken, die nicht geläutet werden. Nachdem 1942 während des Zweiten Weltkriegs fünf Glocken aus dem Münsterturm zur Produktion von Waffen eingeschmolzen worden waren, konnten durch große Anstrengung der Ulmer Bürgerinnen und Bürger im Jahre 1956 fünf neue Glocken auf den Münsterturm aufgezogen werden. Neben diesen fünf neuen Glocken hängen vier läutbare historische Glocken im Glockenstuhl des Münsters, zwei davon älter als das Münster selbst, außerdem die zum Reformationsjubiläum 1931 gegossene Dominica. Von 2005 bis 2009 schwiegen die Münsterglocken, weil umfangreiche Arbeiten am Glockenstuhl notwendig geworden waren. Seit dem Ostersonntag 2009 läuten die Glocken des Münsters wieder.

Schwörglocke    

 

Die bekannteste Glocke des Münsters ist zugleich die älteste Glocke. Entstanden im 14. Jahrhundert, ist sie älter als das Ulmer Münster und hing vorher in einer "Kirche über Feld", außerhalb der Stadt in der Nähe des heutigen Friedhofs.

Sie wiegt 3,5 Tonnen, hat einen Durchmesser von 164 cm und wird bis zum heutigen Tag ausschließlich am Schwörmontag und von Hand geläutet. Ihr Schlagton ist c1.

     
 
Gussjahr 14. Jh.
Gießer, Gussort  
Ø (cm) 164
Masse (kg) 3.500
Tonhöhe c1

Landfeuerglocke    

 

Die Landfeuerglocke (900 kg, 114 cm, as1) aus dem 14. Jahrhundert stammt ursprünglich aus der "Kirche zur lieben Frau" vor den Toren der Stadt.

Sobald der Türmer eine Gefahr wahrnahm, sei es Feuer oder herannahende Feinde, wurde die Landfeuerglocke geläutet.

     
 
Gussjahr 14. Jh.
Gießer, Gussort  
Ø (cm) 114
Masse (kg) 900
Tonhöhe as1

Große Betglocke
   

 

Die Große Betglocke oder Vaterunser-Glocke mit der Stimmung c1 entstand im Jahr 1454 in der Gießerei Eger in Reutlingen. Sie wiegt 3800 kg und hat einen Durchmesser von 170 cm.

Sie war die erste Glocke, die am 21. Oktober 1454 nach 77-jähriger Bauzeit auf dem Turm des Münsters erschallte.

Seither begleitet sie bis zum heutigen Tag das Beten der Gemeinde während des Vaterunsers und läutet täglich zur Mittagszeit um 12 Uhr.

     
 
Gussjahr 1454
Gießer, Gussort Gießerei Eger (Reutlingen)
Ø (cm) 170
Masse (kg) 3.800
Tonhöhe c1

Leichenglocke    

 

Die Leichenglocke stammt aus dem Jahr 1678. Gegossen wurde sie von der Firma Ernst in Lindau. Sie wiegt 1750 kg und hat einen Durchmesser von 142 cm. Ihr Schlagton ist des1.

Jedes Mal, wenn ein Gemeindeglied der Münstergemeinde beerdigt wird, wird sie geläutet.

     
 
Gussjahr 1678
Gießer, Gussort Gießerei Ernst in Lindau
Ø (cm) 142
Masse (kg) 1.750
Tonhöhe des1

 

Dominica    

 

Die Dominica oder Reformationsglocke wurde 1931 aus Anlass des vierhundertjährigen Jubiläums der Einführung der Reformation in der freien Reichsstadt Ulm gegossen. Sie wiegt 4301 kg und hat einen Durchmesser von 185 cm.

 

     
 
Gussjahr 1931
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 185
Masse (kg) 4.301
Tonhöhe b0

 

Kleine Betglocke    

 

Die Kleine Betglocke aus dem Jahre 1956 (Gewicht 1766 kg, Durchmesser 139 cm, Schlagton es1) eröffnet jeden Tag mit dem Morgenläuten um 6.30 Uhr und schließt den Tag mit dem Nachtläuten um 20 Uhr ab. Sie lädt ein, den Tag und die Nacht unter Gottes Geleit zu stellen.

     
 
Gussjahr 1956
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 139
Masse (kg) 1.766
Tonhöhe es1

 

Kreuzglocke    

 

Die Kreuzglocke von 1956 erinnert an Jesu Leiden und Sterben am Kreuz. Sie ruft am Karfreitag zur Sterbestunde Jesu die Menschen zum Passionskonzert ins Münster.

Sie hat ein Gewicht von 1248 kg, einen Durchmesser von 124 cm und den Schlagton f1

     
 
Gussjahr 1956
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 124
Masse (kg) 1.248
Tonhöhe f1

 

Taufglocke    

 

Die Taufglocke aus dem Jahre 1956 läutet während des Gottesdienstes zum Taufakt.

Sie wiegt 506 kg, hat einen Durchmesser von 93 cm und erklingt mit dem Schlagton b1.

     
 
Gussjahr 1956
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 93
Masse (kg) 506
Tonhöhe b1

 

Schiedglocke    

 

Die Schiedglocke von 1956 steht in der Tradition der Glocken, die geläutet wurden, sobald der Tod eines Gemeindegliedes bekannt wurde. Die Menschen, die ihren hellen Klang verstanden, hielten zum Gebet für den Verstorbenen und die Trauernden inne und wurden sich dessen bewusst, dass wir mitten im Leben vom Tod umgeben sind.

Die Schiedglocke wiegt 345 kg, hat einen Durchmesser von 83 cm und erklingt mit dem Ton c2.

     
 
Gussjahr 1956
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 83
Masse (kg) 345
Tonhöhe c2

 

Gloriosa    

 

Die Gloriosa ist mit 199,5 cm Durchmesser und 4912 kg Gewicht die größte und schwerste Glocke am Ulmer Münster. Sie ist das Fundament für das Festgeläut und die am tiefsten klingende Glocke. Ihr Schlagton ist as0.

Gegossen wurde sie 1956 bei der Firma Kurtz in Stuttgart. Die Vorgängerglocke, die dem Weltkrieg zum Opfer fiel, wurde vom Türmer und den Läutebuben von Hand geläutet.

Jedes Jahr wird die Gloriosa am 17. Dezember um 19.15 Uhr zur Erinnerung an den Luftangriff auf die Stadt Ulm im Jahre 1944 15 Minuten lang geläutet.

     
 
Gussjahr 1956
Gießer, Gussort Glockengießerei Kurtz (Stuttgart)
Ø (cm) 199,5
Masse (kg) 4.912
Tonhöhe as0

 

Vollgeläut

 

Wir danken der Firma alphaCam Blaustein, Roland Kleinhempel, die uns die Tonaufzeichnungen der Glocken des Ulmer Münsters zur Verfügung gestellt hat.